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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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Volksgenossen, zum grõßten Teil Sudetendeutsche, engere Landsleute von mir. Ich konnte sie mir gut vorstellen, wie sie gleich Onkel Helmut und Anneliese ihren ,Helden- jungen' zugejubelt hatten, als diese in den damals noch so bunt und frõhlich ausschenden Waffentanz zogen. Und mir schien es, als hörte ich die Worte meiner Mutter wie- der:«Sie wollen euch einreden, daß das Sterben das Grõßte auf der Welt ist; glaub ihnen nicht, glaub mir: das Leben ist heilig. ih

Ich glaubte ihr. Oh, ich glaubte ihr schon lange nur fühlte ich zugleich, daß dies allein nicht genügte. Man mußte auch handeln. Doch um handeln zu können, mußte man wissen, was man wollte; nicht bloß erkennen, was man nicht wollte.

Eines Abends bewachten wir einen kroatischen Trup- pentransport, der sich auf᷑ der Fahrt nach der Ostfront be- fand: viele Vichwagen voller junger Burschen in schmut- ziggrünen Uniformen. Sie waren waffenlos, nur die Offi- ziere und Unteroffiziere trugen Handmaschinengewehre und Pistolen.

Die Soldaten sangen ihre schwermütigen slawischen Lieder, die ganz unvermutet einen rebellischen Klang an- nehmen konnten und nachher ebenso plõtzlich wieder in Trauer zurũcksanken.

Finer der Kroaten holte Wasser von der Pumpe. Dabei wechselte er ein paar Worte mit einem tschechischen Strek- kenarbeiter. EFin junger Offizier, fast noch ein Knabe, sprang mit seiner Reitpeitsche fuchtelnd hinzu und stellte den Soldaten zur Rede. Der hob seinen freien Arm, wohl in der Absicht, sich vor einem Schlag zu schützen. Doch der Offizier faßte diese Bewegung als Drohung auf. Ein Pfiff. Mehrere Unteroffiziere stũrzten sich auf den Sol- daten. Er wurde wenige Minuten nachher vor versammel- ter Mannschaft mit einem Ochsenziemer ausgepeitscht.

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