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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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durch mich hindurch irgendwohin in die Ferne. Das dunkle Gesicht wurde von einem melancholischen Lächeln er- nellt.«Ja, man müßte gläubig sein können, mon amiv, meinte er dann, und es klang, als beende er ein längeres stummes Selbstgespräch, adas müßte man, nur leider, sichst du, ich verstehe mich nicht aufs Heucheln und ich pin auch wieder nicht bescheiden genug, weder geistig noch anderweitig. v Er z0g die Braue über dem schweren Augen- lid hoch. In seiner Stimme schwang der vertraute ironi- sche Unterton mit, als er schloß: Da sagen sie immer,Das, wofür wir uns halten in unserem Herzen, ist und bleibt des Soldaten höchster Besitz. Aber wofür halten wir uns nun eigentlich? Na, was ist deine Meinung, Holler? Für Nar- ren? Oder Komõdianten? Oder gemeingefãhrliche zerset- zende Elemente? Oder... Museumsstücke dv Ohne mir Zeit zu einer Erwiderung zu geben, drehte er sich auf dem Absatz um und ging davon.

Ich fand ihn spãter, auf᷑ der Hofmauer sitzend, den Blick nach dem Flußufer mit den Weidenbäumen gerichtet. Er Spielte Flõte.

Suite in Es-durv, erklärte er mir, als er das Instrument nach einem letzten schrillen Schnõrkel absetzte. Kompo- niert von Herrn Hofmusikus Quantz und gewidmet mei- nem Ururgroßvater, dem Rittmeister Ernst Louis Ferdi- nand von Chabrun. Eine tolle Nummer übrigens, dieser Herr Rittmeister. Konnte sein loses Maul absolut nicht hal- ten. Micht mal bei der Hoftafel in Potsdam . Es gibt darũ- per eine verbürgte Anekdote. Der alte Frit war bekannt- lich ein leidenschaftlicher Schnupfer und nicht schr appe- titlich. Sogar beim Bratenvorschneiden mußte er seine Prise nehmen. Na, und als dabei die Portion für meinen Urur- großvater etwas abbekam, soll der bemerkt haben: Wir Chabruns sind immer schon für unsere kulinarischen Ex- travaganzen bekannt gewesen. Aber ich bin sicher der erste

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