selbst vorging, und dann bloß in Anspielungen oder Bil- dern, denn ich wußte ja nie, wer das Heft in die Hãnde be- kommen konnte.
Ich hatte gerade geschrieben: Wenn ich mein Leben, die Welt und die Zukunft so darstellen möchte, wie ich sie heute sche, so würde ich ein blaues Gebirge am Horizont malen— fern, ungreifbar, starr, eingehüllt in Nebelschwa- denꝰ, da wurde ich gewahr, daß Chabrun mir über die Schulter blickte.
Er entschuldigte sich, er habe geglaubt, ich sei beim Reinschreiben des Wacherapports. Nach einem längeren Zöõgern setzte er hinzu: Das ist der Krieg, mein Lieber. Der gibt unserer Zeit das starre, ungreifbare Gesicht. An einem Krieg teilnehmen, heißt sich im Kraterbereich eines feuerspeienden Berges aufhalten. Und in den Tiefen des Kraters erhält alles— die Welt, das Leben und der Mensch — einen Sinn, den keine Rechenkunst erklären kann und der nur vom geborenen Soldaten richtig gedeutet wird. Für die andern ist es einfach Spuk.v
Wir hatten gar nicht darauf geachtet, daß Dietz heran- gekommen war. Jetzt machte er sich durch ein hãmisches Gelächter bemerkbar.«Ach, die zwei schönen Seelenv, rief er, Menschenskinder, daß ihr euch noch immer nicht den VWeltschmerz und die ganzen übrigen Sentimentalitãten ab- gewöhnen könnt! S0 was hat in unserer Epoche nichts mehr zu suchen. Heute gilt nur noch eins: der blutvolle, unbedingte, fanatische Glaube. Alles andere ist Mist und gehört in die Mistgrube.v Er plusterte sich in Erwartung einer Entgegnung streitlustig auf, aber Chabrun schwieg und auch ich verspũrte keine Lust zu einem Wortgefecht.
Enttäuscht drehte sich Dietz von uns weg.
Chabrun machte eine angeckelte Geste hinter ihm her und pfif leise durch die Zãhne. Das Vertrackte dabei istv, Sagte er nach einer Weile, cich habe eigentlich die gleiche Meinung. v Er sah mich forschend an, doch sein Blick ging
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