wesen. Prost, Herr Unteroffizier! Prost meine Damen! Prost meine Herrenlv
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Seelke hing, nur mit Hemd und Unterhose bekleidet, in einer Schlinge am Fensterkreuz des Waschraumes vor den Aborten.
Neben ihm, auf einem Schemel, lag seine proper zusam- mengefaltete Uniform. Parunter standen die Stiefel, genau nach Vorschrift: die Absätze in Fũhlung und die Spitzen eine Fußbreite auseinander. Ein kleines Bündel, aus einem Sauberen, blaurot karierten Taschentuch geknotet, enthielt Scelkes Erkennungsmarke, Uhr, Schlüsselbund und Bril- lenfutteral.
In dem Futteral steckte ein Zettel. Er war sorgfältig liniert. Uber die erste Linie hatte Seelke mit vielen Schnör- keln die Worte, Mein Abschiedsgruß' gemalt. Es folgten ein paar Zeilen in steiler Schönschrift: cBitte zusammen mit meinen persõnlichen Habseligkeiten an meine Gattin, Frau Frieda Seelke, Berlin-Schmargendorf, zu schicken. Geld fũr Postzustellungsgebũhr(eingeschrieben) liegt bei.v
Der Abschiedsgruß selbst lautete: Empfangt hiemit meine letzten Wünsche. Es war zuviel. Ich hätte euch gerne in Frieden und Glũck wiedergesehen, aber es hat nicht sol- len sein. Die Brille und Reservegläser kann man sicher an Optiker Sonnewald in der Grenadierstraße verkaufen. Auch die Uhr soll verkauft werden. Das silberne Fünf- markstück mit Ose ist für Lindchen. Grüßt alle Lieben, seid innigst umarmt und urteilt nicht zu streng ũber Euren treuen, unglũcklichen Gatten, Vater und Großvater Alois Seelke. NS. : Ich hoffe, das Finanzamt wird die Witwen- pension ohne Abzug zur Auszahlung bringen. Heil Hit- ler!
Das Ganze sah aus wie die Fleißaufgabe eines braven Schülers. Nur die zwei letzten Worte fielen etwas aus dem
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