das Knochengerüst sind. Ja, und gottverdammich, der Geist und das Knochengerüst haben noch ihre eiserne Kon- stitution, auch wenn ihnen das letzte blutige Jahr tüchtig zugesetzt hat. Mit den Soldaten mag es zum Teil anders ausschauen, das gebe ich zu. Unter uns gesagt, ich bin da- von sogar überzeugt. Vbrigens weißt du das selbst so gut wie ich, Hans. Aber die Soldaten werden nichts tun. Sie kõnnen ruhig die Nase voll haben und sich wünschen, daß es bald vorbei sein soll,— sie werden trotzdem weiter kämpfen, ganz verbissen, und zähe, so wie es von ihnen verlangt und erwartet wird. Die Welt macht sich ja keinen Begriff davon, wieviel Disziplin und Geduld in unserem deutschen Soldaten stecken. Und dann glaube ich, daß nach allem, was geschehen ist, auch in den dumpfesten Schãdeln die Gewißheit sitzt: wir müssen durch zum Sieg, oder wir haben allesamt elendiglich zu verratzen. Nein, sichst du, der Gedanke an einen neuen Winterfeldzug, oder auch zwei und drei, schreckt mich nicht. Was mich seit einer Weile beschäftigt und gewissermaßen drückt wie ein, haha, schlecht sitzender Stiefel, ist was anderes. Ich habe jetzt manchmal so einen komischen Traum. Man soll an Träume nicht glauben. Gewiß, aber... naja, also ich sche da immer wieder eine Sache, die ich mal in Wirklichkeit beobachtet habe: bei einem Gewitter ist ein Bach aus seinen Ufern ge- treten und hat einen großen Ameisenhaufen über- schwemmt. Im Traum sehe ich nun die Ameisen ins Was- ser marschieren und wegtreiben, immerzu ins Wasser mar- chieren und wegtreiben. Und dann ertappe ich mich dabei, wie ich denke, daß sie Passagiere ins Blaue sind, oder ins Schwarze. Aber das Verrückte daran ist, daß ich solche Ge⸗ danken kriege. Als Offizier und Nationalsozialist steht na- tũrlich alles ganz klar und eindeutig vor mir. Wenn nötig, wird eben ein Befehl gegeben, und wir führen den Befchl aus, einerlei, was mit uns persönlich geschicht. Das hat seine stählerne Logik. Aber dann, auf einmal, erwischt
253


