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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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ũberhaupt nicht schief gehen kann. Also mir ist so was schleierhaft. Oder flunkert er nur so in seinen Briefen? Aber es sicht mir nicht danach aus. Was meinst du, Hans dv

Wir hatten gerade das Dessert, einen rosafarbenen dũnnen Flammeri, hinter uns und er holte aus seiner unerschöpf- lichen Kartentasche eine Flasche und Zigaretten hervor. Die Flasche enthielt ungarischen Pflaumenschnaps, glas- hell und scharf; die Zigaretten mußten vom Balkan her- stammen, der Tabak war süß, stark. Wir tranken und rauch- ten. Gerhard nickte, als ich ihm bestätigte, daß Kurts Briefe allem Anschein nach tatsächlich seine wahre Stim- mung ausdrückten.

Ja, der Junge ist mir ein Rãtselv, Sagte Gerhard. Er zer- drũckte seine Zigarette, lehnte sich zurck und schloß die Augen. Ich sah, daß die Schatten unter ihnen in tiefen Hõh- len lagen. Was für ein müdes, vorzeitig gealtertes, ent- täãuschtes, verbrauchtes Gesicht! Es war ein erschreckender Anblick, gemildert nur durch einen neuen einen mensch- lichen Zug von Kummer und Vergrübelung.

Gerhard schlug die Lider auf, fixierte mich scharf und fragte übergangslos:«Na, wie ist das bei euch hier? Wie scht ihr denn die Aussichten für das Kriegsende? Aber bitte keine Phrasen! Er kniff die Lippen zusammen und faltete die Stirn in starker Konzentration, doch sein Blick ging über mich hinweg.

Ich antwortete, daß man sich darüber im Kreise meiner Kameraden eigentlich wenig Gedanken mache. Zumin- desten lasse man wenig darũber verlauten. Natũrlich würde jeder lieber heute als morgen das Ende schen wollen. Aber im übrigen schiebe man eben seinen Dienst und halte die Ohren steif.

Also im übrigen hält man die Ohren steif, sosov, wie- derholte Gerhard meine letzten Worte, wohl um zu zeigen, daß er mir aufmerksam gefolgt war. Doch an der Art, wie

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