bittlichen Gewalt weitergetrieben, einer Art dũsterer Neu- gierde nach dem Grauen, wie ich sie schon als Junge mancht mal beim Anblick des Messerstoffel, eines riesenstarken Halbidioten, verspürt hatte, der mit gezückter Garten- hippe hinter uns herstürzte, wenn wir ihm: Kille, killelv zuriefen.
Die letzten Wagen der Kolonne hielten in der Nãhe eines Lehmbruchs, der von ihren Reflektoren beleuchtet wurde. Das scharfe, bläuliche Scheinwerferlicht gab der Land- Schaft etwas Mondkraterhaftes und ließ alle Bewegungen verzerrt erscheinen.
Zuerst sah ich nur ein brodelndes Durcheinander von menschlichen Gestalten. Dann begann ich, prügelnde SS. Mãnner und geprũgelte Gefangene zu unterscheiden. Poch pevor sich die Eindrücke ordnen konnten, ertönte ein Trompetensignal. Die S8. z0g sich von den Gefangenen zurück, die nun— aneinandergedrängt wie eine Herde Schiffbrüchiger— allein in der Mitte des Lehmbruchs zu- rũckblieben. Sie hatten bisher immer noch versucht, ihr Lied weiterzusingen. Jetzt verstummten sie. Eine mit Dy- namit geladene Stille breitete sich aus.
Mörder lv schrie plõtzlich einer der Gefangenen. Fast im gleichen Augenblick wurde von unseren Offizieren und Unteroffizieren Schießen ly kommandiert. Ich bekam von Marofke einen Rippenstoß. Neben mir feuerte Pietz schon. Auch die anderen feuerten wie rasend. Mir schlugen die Zähne aufeinander; ein roter Nebel verschleierte meine Augen; die Hãnde waren wie von Holz... aber sie hielten das Gewehr im Anschlag, sie drückten krampfhaft ab, sie luden nach und drũckten wieder ab, bis Feuer einstellen l* befohlen wurde.
Von den Gefangenen stand kein einziger mehr da. Sie lagen wirr übereinander, ein gräßlicher Haufe regloser Kõrper. Aber mit einemmal sprang aus diesem Haufen eine Stimme auf, eine dũnne, beinahe kindliche Stimme. Rõ-
232


