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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Nu, mach aber halblang!ly Aus Seelkes Stimme war deutlich Stolz, doch auch eine gewisse Verlegenheit her- auszuhören. Er kam endlich mit seinem Kragen zu Rande und lief hinaus.

Klobocznik begleitete ihn mit den Blicken, rülpste tief und schüttelte den Kopf. ¶Also wirklich, ich sage euch, was der Alois für eine Madame hat! Richtig was zum An- fassen, verdammt und zugenäht... v Er wurde plõtzlich bõse und begann zu schimpfen: Da heißt's immer: Sol- datenleben, lustig Leben, die Puppen fliegen einem nur so zu. Ja, Hustekuchen! Was ich früher ploß für Erfolge bei den Weibern hatte! Und jetzt? Glaubt ihr, die Scelkesche hat auch nur ein Auge riskiert? Da merkt man erst, wie Schimmlig man beim Kommiß wird. Er rũlpste wieder und spuckte wütend in sein dunkelblaues Taschentuch. Lange und trũbselig betrachtete er die Spucke, bevor er das Tuch zusammenfaltete und einsteckte.«Es ist ein Unfug, daß sich alles so hinzichtꝰ, schloß er resigniert, das führt zu nichts Gutem.v

Der gleichen Meinung war auch Frau Frieda Scelke. Sie hatte die Reise nach Prag gemacht, um eine Woche Urlaup für ihren Mann durchzusetzen. Er wurde daheim dringend benõtigt, um eine verwickelte Erbschaftsangelegenheit nach den gefallenen Schwägern in Ordnung zu bringen und überhaupt wieder einmal in der Familie nach dem Rechten zu schen.

Du lieber Gott, es verwildert ja alles in so einem Haus, wo das Familienoberhaupt weg ist und nur eine schwache Frauenhand die Zügel führtv, beklagte sie sich in ihrer et- was angerauhten Baßstimme, als wir zu viert das EHhepaar, Klobocznik und ich pei einem von Klobocznik gespen- deten Willkommens-Schoppen in der Kantine saßen.

Frau Frieda hatte einen dunklen Bartanflug auf der Ober- lippe. Ihr Schwarzseidenes wurde beinahe von der Fülle

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