mir aber auch angenchm, denn in Anwesenheit eines An- gehörigen der Wehrmacht oder SS. hätte ich gegen die Alte einschreiten müssen. So konnte ich sie laufen lassen. Ich raffte mich zusammen und ging. Meine Füße schlepp- ten, aber ich zwang mich zu schnellem Ausschreiten. Ob- wohl mich niemand mehr zu beachten schien, war mir doch, als msse ich mich irgendwo verbergen und kõnne es nicht— als ziche ich eine unverlöschbare Spur hinter mir her.
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Im Quartier langte ich keuchend an, wie nach einer wirk- lichen Flucht. Doch ebenso schnell wie die Angst mich ũberfallen hatte, wich sie auch wieder. Schon war der Vor- fall an der Brůcke in eine dãmmrige Ferne entrückt. Schon erschien er mir kaum mehr wahr, auf jeden Fall mehr ab- sonderlich als beängstigend.
VWie absurd, sich von einer alten tschechischen Bäuerin in solchen Schrecken versetzen zu lassen! Wie lächerlich!
Mit doppeltem Bchagen gab ich mich der seltenen Muße eines dienstfreien Tages hin, der Ruhe einer leeren Stube, dem Dösen, dem Rauchen der letzten sorgsam aufgespar- ten Rommel-Zigarre aus Onkel Helmuts Vorrat.
Die andern kamen erst nach Einbruch der Dunkelheit zurück.
Fluchend, aber auch mit einer gewissen grimmigen Scha- denfreude über den Mißerfolg der SS. und der eigens zu dieser Aktion aus Berlin gekommenen Gestapokommis- Sare berichteten sie, daß wieder einmal alles ausgegangen sei wie das Hornberger Schießen. Das einzige Ergebnis der Großfahndung habe in der Auffindung eines Packens tschechischer Flugschriften bestanden, die noch aus der Zeit unmittelbar nach dem deutschen Einmarsch in Prag stammten.
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