Schnellsiedekurs hinter sich gebracht, worauf er zur Truppe geschickt worden war, um einen voll ausgebildeten Heil- gehilfen für den Dienst im Felde freizusetzen. Nun Spielte er hier Arzt und verschrieb mit wichtiger Miene Rizinusöl und leichten Pienst, oder beantragte drei Tage Arrest we- gen Simulierens.
Ich wurde von ihm mit lãrmender, etwas herablassender Jovialitãt empfangen. In der Vermutung, daß ich bloß ge- kommen war, um mich nach Gerda zu erkundigen(die vom Revier aus verkõstigt und betreut wurde), begann er so- fort, Witze über unsere Gruppe zu reißen, die ein so rüh- rendes Interesse für die Braut ihres verflossenen Unter- offiæiers— oder solle man sagen: füt die verflossene Braut des Unteroffiziers?— an den Tag lege. Im übrigen habe er eine Neuigkeit für uns: Gerda sci gar nicht mehr in Prag , Sondern befinde sich mit einem Rekonvaleszententransport auf der Fahrt ins Altreich.
Ja, wer hätte das gedacht, was dv schloß er und blin- zelte mich, in seinen Sessel zurückgelehnt, aus halbge- schlossenen Augen an. Er erwartete offensichtlich, mich enttãuscht zu schen, und konnte nun, da ich gleichgültig blieb, seine eigene Enttäuschung nicht verbergen. Doch kaum dãmmerte ihm auf, was der eigentliche Zweck mei- nes Besuchs war, kehrte seine gute Laune auch schon zu- rück. Er zog die Untersuchung, soweit es nur ging, in die Länge; hantierte nachher noch eine ganze Weile stumm, die Brauen zusammengezogen, an den Probierglãsern her- um; wusch und trocknete sich die Hãnde mit den Bewe- gungen eines großen Chirurgen, der eben eine Meister- operation durchgeführt hat. Dann machte er sich endlich an die Beleuchtung meines Falles. Sein Gehaben half mir über alle peinlichen Gefühle hinweg und ließ mich die Si⸗ tuation nur noch grotesk empfinden. Ich tat ihm gern den Gefallen, aufmerksam zuzuhören, während er mir unter großem Aufwand wissenschaftlicher Ausdrücke die Vor-
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