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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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habe doch auch der Aufenthalt an seinem neuen Dienstort in der Südukraine große Reize.

Die Gegend hierv, schrieb Kurt, cist natũrlich nicht so romantisch wie das Land der Pyramiden und der sonstige Orient. Sic kann sich auch nicht mit der herben Groß- artigkeit unscrer deutschen Alpen messen. Aber ich habe noch nirgendwo eine so fette Erde gesehen wie in unserem jetzigen Kommandobereich. Das Gut von unserem seligen Lutz ist ein schãbiges Waisenkind verglichen mit dem Stũck Land, das ich mir für spãter bereits ausgesucht habe. Ihr werdet Augen machen, wenn ich euch nächstens mal ein paar Photos schicke. Ich bin auch schon dabei, mich auf eine Gutsbesitzerlauf bahn vorzubereiten. Die vorgesetzten Pienststellen gehen einem in dieser Hinsicht kolossal an die Hand. Es ist eine Lust zu schen, wie planmãßig alles für den riesenhaften Siedlungseinsatz gleich nach dem Sieg organisiert wird. Jeder Offizier und Unteroffiæzier, der sich für die Landzuteilung vormerken lãßt, bekommt bei- Spielsweise umgehend ein Lehrbuch, Garbe und Schwert? ausgehändigt, das eigens für die Truppen an der Ostfront geschrieben wurde. Es werden einem darin ordentlich die Augen geöffnet für die enormen Möglichkeiten, die sich jedem künftigen Wehrsiedler bieten. Goebbels hat ganz recht: Deutschland führt heute einen Korn- und Brotkrieg für eine Lebensart, wert eines Siegervolkes von hundert Millionen. Die Ostsiedlungshöfe werden von der Größe eines komfortablen Ritterguts sein, mit allem, was dazu- gehört. Feld, Wald, Weideland und Wasser. Ich habe mir daraufhin gleich einige einschlägige Werke über Fisch- zucht und Rotwildjagd zugelegt. Beides ist hier prima. Auch den Plan für ein Haus habe ich mir von einem Schreibstubenhengst, der im Zivil Bauzeichner ist, ent- werfen lassen. Im Stile des Posseltschlõßchens, nur etwas niedriger und mit einem Zinnenturm in der Mitte. Ja, da wundert ihr euch, was für seßhafte Absichten euer Wind-

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