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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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nur mit grõßter Anstrengung abwimmeln. Die ganze Stadt ist voll davon, und Vater war zwei Tage lang nicht auf dem Bürgermeisteramt. Du sichst, Gewissensbisse werden unsereinem gütigst abgenommen. Aber was nützt das, wenn man, ach! so allein ist.v

Ich hätte schwören mögen, daß beide Briefe von den Mädchen auf der Bataillonspost geöffnet worden waren. Warum sonst steckten sie jetæt immer hei meinem Anblick die Kõpfe tuschelnd und kichernd zusammen?

Mir war jede Erinnerung an das nãchtliche Abenteuer in R... peinlich, aber noch unangenchmer war der Ge- danke, daß es nicht zu Ende, ein für allemal abgetan sein sollte. In der Hoffnung, daß mein Schweigen ihr die Lust zu weiterem Korrespondieren nehmen würde, hatte ich Effi nicht geantwortet. Doch nun schrieb sie schon wieder.

Einer ersten ärgerlichen Regung nachgebend, steckte ich den jadegrünen Umschlag ungeöffnet in die Tasche. Aber dann holte ich ihn doch hervor und riß ihn auf.

Zu meiner angenchmen Uberraschung stellte sich her- aus, daß Effi mir diesmal nur einen Brief schickte, den mein Bruder Kurt mit der Bitte, ihn auch an mich weiter- zuleiten= nach Hause geschrieben hatte.(Kurt war schreib- faul, er liebte es, Rundbriefe auszusenden.)

Auf dem Wege zur Kantine überflog ich den eng be- schriebenen Foliobogen, der äàm Kopf den Aufdruck Ftappenkommando U 10, Wehrwirtschaftsstelle' trug. Ich habe ihn in der Folge so oft wiedergelesen, daß ich ihn noch aus dem Schlaf Wort für Wort hersagen könnte.

Kurt schien endgültig darauf verzichtet zu haben, seine Versetzung zum Afrikakorps zu betreiben. Zum Fin- marsch in Kairo würde er ja doch zu spãt kommen, und so lockend auch die Aussicht auf einen Spaziergang nach Palãstina sei, adirektemang ins Jůdchenland und vielleicht Sogar weiter nach Persien und zu den Maharadschasv, so

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