Ich kam vom Kasernendienst zurück und traf auf un- Serer Stube niemand an. Die ganze Gruppe war ausgeflo- gen, obwohl sie wieder eine von den langen ergebnislosen Streifen hinter sich hatte, nach denen man für gewöhn- lich keinen andern Wunsch kannte, als das Essen mög- lichst schnell hinunterzuschlingen und sich aufs Ohr zu legen.
Auf meinem Bett fand ich einen Zettel: Komm gleich in die Kantine. Wir sind alle dort. Malzahn ist zum Ober- leutnant befõrdert worden und hat Freibier für die ganze Kompanie gestiftet.v
Neben dem Zettel lag ein länglicher Briefumschlag von jadegrüner Farbe mit steilen Schriftzügen. Effi! Seitdem ich vom Urlaub zurück war, hatte sie mir schon zweimal geschrieben— frech, aber auch sentimental, und voller un- ausgesprochener, dunkler Kngste.
Wieder stehen meine brennenden Kerzen vor mirv, hieß es in dem ersten Brief, aund auch das traditionelle Glas Port ist da, ohne das ich gar nicht mehr existieren kann. S0o halte ich eine Feierstunde ab, zum Andenken an unsere, leider viel zu kurze Nacht. Mein einsames Bettchen trauert mit mir.v
Und im zweiten Brief:«Der letzte Port ist futsch, aber Vater hat mir dafũr etwas Madeira Spendiert. Ja, da staunst du! Vom In-die-Erde-versinken ist gottlob nicht mehr die Rede, seitdem die Anneliese, dein holdes Weib, ihm in viel indis kreterer Weise zu schaffen macht, als ich's getan habe. Sie ist jetzt mit dem Eckersberger ganz offiziell zur Erholung ins Riesengebirge gefahren. Der Herr Sonder- beauftragte hat sie in einem tollen marineblauen Mer- cedeswagen abgeholt. Frau Eckersberger kam dann am nãchsten Tag hier an und hat auf der Bezirksleitung einen schauerlichen Skandal gemacht. Zeckendörffer konnte sie
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