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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Hier mischte sich Dietz ein, der schon die ganze Zeit über ungeduldig an seinen schwammigen, kurzen Fingern genagt hatte. Er begann mit einer Tirade über die Tragik des Edlen, das ungeachtet seiner Kostbarkeit immer nach Selbstaufopferung drãnge; faselte dann von Heydrichs nor- disch bedingter Liebe zur Gefahr; und schloß mit den Wor- ten Baldur von Schirachs: je mehtr für die Bewegung ihr Leben hergeben, desto unsterblicher wird sie. v

Dietz wandte sich dabei weniger an Klobocznik und Seelke, als an Maurer. Der saß mit seinem unbeteiligten Holzgesicht da und blies auf einem Taschenkamm das Lied vom Feldzug, der kein Schnellzug ist. Dietz hüstelte ärger- lich, auffordernd. Dann fragte er: Na, und was denkst du darũber, Maurer?ꝰv

Maurer beendete ohne File einen Akkord, kniff die gro- Ben blauen Augen zusammen, meinte gelassen:«Ach, du hast uns doch alles schon so schön vorgedacht. v Er setzte den Kamm wieder an die Lippen und blies den Refrain:

Wisch deine Träãnen ab mit Sandpapier, Eins, zwei, drei, vier.

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Fine Woche darauf wurde uns beim Morgenappell be- kanntgegeben, daß Heydrich in der Nacht gestorben sei.

(Eine Bombe britischen Ursprungsv, so hieß es im Ta- gesbefehl, dhat meuchlings ein Leben ausgelöscht, dessen Hingabe an Fũhrer und Reich Vorbild sein konnte wie sel- ten ein anderes; Vorbild auch durch eine eisige Kälte ge- gen jeden Schmerz und durch jene Härte, die von der Er- reichung des Zieles vorgeschrieben wird. In der Blüte sei- nes Mannesalters ist dieser im besten rassischen Sinne vor- nehme Mensch, dessen heller, befehlsgewohnter Stimme eine magische Kraft innewohnte, Opfer jener dunklen

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