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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Vorbedacht... Mir wurde heiß und kalt bei dieser Vorstel- lung, und ich mied für die Folge jede Begegnung mit den Plakaten und jeden Gedanken an sie.

Dreimal am Tage wurden die ärztlichen Bulletins über das Befinden des verwundeten Reichsprotektors bekannt- gegeben. Es war immer dasselbe: Puls schwach, Allge- meinzustand ernst, Wendung zum Besseren noch nicht eingetreten.

(Und er kommt doch durchv, sagte Klobocznik,«die Schwarze Kobra? und nicht durchkommen? Das wäre doch gelacht! Mein Neffe, der unter Heydrich in der Leibstan- darte gewesen ist, hat mir erzählt, daß der Mann zwanzig Kognaks austrinken und nachher auf fünfzig Schritte in ein Judenauge schießen kann, haargenau. Nein, nein, der ist nicht umzubringen. v

Seelke war anderer Meinung. aIch weiß nicht, mit einer Kugel in der Kehle und zweien im Rücken, und vier Bauch- wunden... und warum hat man dann sein Gepãck schon von der Burg abgeholt? Wenn das nicht nach Abgang aus- sicht.»

Mensch, nu halt aber anv, versetzte Klobocznik, cwer hat dir denn diesen Käse wieder angedreht?

Seelke, der gerade dabei war, die Fuchsienstõcke auf dem Fensterbrett zu begießen, stellte die Wasserflasche heftig weg und stemmte die Arme in die Hüften. Wieso denn Kãse? Ich habe einen von den Berliner Chauffeuren getrof- fen, die hergekommen sind, um das Gepäck zu holen, ei- nen gewissen Matulski. Er ist vom stãdtischen Fuhrpark, gleich neben dem Finanzamt, auf dem ich arbeite.v

Klobocznik rieb sich den kahlen, roten Schädel. Dann allerdings... v Wie immer, wenn er in Aufregung geriet, machte ihm sein künstliches Gebiß zu schaffen; er fing an zu lispeln: Meine Fresse, wenn so einer abkratzen muß, dann kann unsereinem wirklich mulmig werden.

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