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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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lig vereinsamten Chaussee, zwei, vier, sechs Stunden lang, bis endlich eine Kolonne schwerer glänzender Limousinen, umgeben von S8. auf Motorrãdern, vorũbersauste.

(Eine Cochonneriev, murrte Chabrun, cwas man heutzu- tage einem Soldaten zumutet!» Und er erzählte eine Ge- schichte von seinem Urgroßvater, der nach dem Wiener Kongreß ehrenvoll verabschiedet und auf Halbsold gesetzt worden war, mit nichts als Schulden und drei unverheira- teten Tõchtern auf dem Buckele, und der dennoch den ihm angebotenen Posten eines Polizeisekretarius schlankweg abgelehnt hatte, weil, wie er sagte, für einen Nachkommen der Chabrun d'Astier, die schon mit Gottfried von Bouil- lon Jerusalem gestürmt hatten, Nachtwächterarbeit nicht in Frage kam.(Na, dafũr wird sein Herr Urenkel gar nicht erst gefragt, schloß Chabrun. Der wird einfach zur Nachtwãchterarbeit kommandiert und punktum.v

Trotzdem verrichtete Chabrun den Pienst mit streng- ster Genauigkeit und machte Dietz, den er einmal auf Wache eingenickt antraf, einen solchen Tanz, daß dem Windhund Hõren und Schen verging. Als Dietz verdat- tert und ärgerlich einwandte, daß ja Chabrun selbst diese Art Beschäftigung eine Schweinerei genannt habe, wurde er in vollendetem Vorgesetztenton, leicht durch die Nase, belchrt:(Das stimmt, aber erstens ist das eine Privatmei- nung, und Privatmeinungen haben Null-Komma-Nichts mit militärischem Verhalten zu tun, und zweitens muß ein Soldat unter allen Umständen ordre parieren. Unter allen Umstãnden. Auch wenn ihm zum Beispiel befohlen wird, in Ausgangsschuhen und ohne eiserne Ration auf den Mond zu marschieren... Ist das klar genug, Schütze Dietz dv

Aus den Lautsprechern an den Laternenpfãhlen tõnten noch immer in regelmäßigen Zwischenräumen die Na- menslisten der Hingerichteten und die Dekrete ũber Kopf-

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