faßte zu. Die Beunruhigung, die sie erzeugte, biß sich in die Eingeweide fest wie ein gefräßiger Wurm, und ließ nicht wieder los. Nie wieder, auch wenn sie in der Folge für Stunden und sogar Tage einschlief. Aber schlief sie wirklich ein, oder verstellte sie sich bloß, um uns zu täu- schen, s0 wie sich das Schwelen und Flackern in den Augen der Tschechen zuweilen versteckte? Fast scheint es mir so, wenn ich jetæt darũber nachdenke. Ja, selbst wenn die Un- ruhe zu schlafen schien, war man vor ihr nie ganz sicher; plõtzlich wachte sie in uns wieder auf, oftmals ohne jeden sichtbaren Anlaß.
In u sage ich, denn obwohl ich nie mit einem der andern darũber sprach, weiß ich doch, daß sie alle diese gleiche Unruhe in sich fressen fühlten. Alle, auch Cha- brun, der eigentlich Furcht nicht kannte und sich an die Front zurückwünschte und es schließlich auch durch- setzte, wieder ins Feld zu kommen. Ja, auch Chabrun kannte diese Unruhe; ich erinnere mich, daß er mir einmal, als ich ihn bei der Rückkehr von einem nächtlichen Dienst- gang schlaflos antraf, zuflũsterte: Diese verfluchte Prager Luft. Die legt sich einem manchmal auf die Brust. Wie mit einem geheimen Sprengstoff geladen ist sie, und paß auf, eines häßlichen Tages explodiert sie auch. v
2
In den nächsten Tagen hatte unsere Kompanie unun- terbrochen Hilfspolizeidienst. Unter dem Kommando von Gestapo -Kommissaren umstellten wir Hãuserblocks an der Stadtperipherie, Gartensiedlungen und Fabriken, die dann von Trupps der Totenkopf-SS. durchsucht wurden. Oder wir riegelten einige Straßenzũge ab, worauf alle Pas- Santen angehalten und nach ihren Personaldokumenten ge- fragt wurden. Oder wir standen, vorzeitig geweckt und aus der Stadt gefahren, in dichter Postenkette entlang einer võl-
154


