am Koppel. Vor den Brücken wurden die Ausweise der Zivilpersonen kontrolliert. Klebekolonnen der Hitler- jugend brachten überall Plakate an, auf denen die von den Attentätern bei ihrer Flucht zurückgelassenen Gegen- stände— ein Fahrrad, eine Aktentasche und ein Regen- mantel abgebildet waren; grellrot leuchtete die Zwanzig- Millionen-Ziffer des Kopfpreises aus dem Schwarz des übrigen Druckes.
In regelmãßigen Zwischenräumen verkündeten die Laut- sprecher an den Laternenpfählen, daß nach den letzten Dekreten des neuen provisorischen Reichsprotektors, Ge- neralobersten Paluege, Versammlungen und Zusammen- künfte von mehr als drei Personen nichtdeutscher Natio- nalitãt verboten scien; jeder tschechische Finwohner habe sich binnen achtundvierzig Stunden auf der Polizei zu melden; nach Ablauf dieser Frist drohe Personen ohne Registrierungskarte sofortige standrechtliche Erschießung; die gleiche Strafe erwarte alle, die solche Personen nicht anzeigten oder ihnen gar Unterkunft gewährten.
Zwischendurch gab der Rundfunkdienst der Geheimen Staatspolizei die Namen von bereits Hingerichteten be- kannt. Es waren Mãnner und Frauen, die das Attentat gut- geheißen oder Auskünfte über verdãchtige Personen ver- weigert hatten. Wenn diese von einem kurzen Trompeten- signal eingeleiteten Mitteilungen begannen, blieben die Menschen auf der Straße zumeist wie gelähmt stehen und setzten erst nach einigen Sekunden zõgernd ihren Weg fort: sie vermieden es dabei, einem von uns Uniformierten ins Ge- sicht zu schauen. Ein- oder zweimal fing ich trot?dem einen Blick auf; es schwelte darin die gleiche Drohung, die mir schon in den Augen des Gefangenen und der ihn stumm Grüßenden auf dem Platz vor dem Bahnhof begegnet war.
Es war eine unbestimmte Drohung. Sie hatte keine Form und man konnte sie nicht fassen. Aber sie selbst
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