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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Zug.(ſetzt erst fiel mir ein, daß ich an der Sperre eine Verordnung der Kommandantur geschen hatte, die der tschechischen Zivilbevölkerung das Verlassen der Stadt bis auf weiteres untersagte.)

Beim Anblick der zwei SS.Leute und ihres Gefangenen machten jedoch auch die Filigsten halt; einige nahmen sogar die Hüte ab oder neigten ihre Köpfe, und mehrere Frauen preßten Taschentũcher an ihre Gesichter wie bei einem Begrãbnis. Der Mann hingegen sah über die Stehen- pleibenden mit einem seltsam entrückten Ausdruck hin- weg. Doch dann wandte er den Kopf nach der Seite, von der ich herkam, und unsere Blicke hegegneten sich.

Wãhrend der ganzen Fahrt von R... bis Prag hatte ich mit ⁊wei Intendanz VUnteroffieren, die requirierten Tabak von Mazedonien nach dem Altreich gebracht hatten und nun zu ihrem Etappenkommando zurückkehrten, Tarock gespielt.

Das war ein gutes Mittel gewesen, um Zeit und Ge- danken totzuschlagen. Der Ankunftstrubel hatte mir eine weitere willkommene Gelegenheit geboten, die saugende Leere in mir und alle beunruhigenden Fragen zu vergessen. Noch immer schwamm die Nachricht von dem Heydrich- Attentat bezichungslos auf der Oberfläche des Bewußt- seins herum ein kreiselndes Blechschiffchen auf ruhigem Wasserspiegel.

Und es war erst jetzt, da sich mein Blick mit dem des Gefangenen kreuzte, daß das Schiffchen sank. In den Augen des Mannes schwelte und flackerte es drohend, tõdlich drohend, und ein Echo dieser Drohung zitterte in den Augen der Passanten, die ihm nachstarrten, bis er unter der grauen Plache des Uberfallwagens verschwunden war.

Die Trambahn fuhr nicht. An allen wichtigen Straßen- kreuzungen standen SS. Poppelposten mit Handgranaten

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