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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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reden, daß das Sterben das Grõßte auf᷑ der Welt ist. Glaub ihnen nicht, Hansl, glaub mir, deiner Mutter: das Leben ist heilig. Ich hab schon den Lutz verloren, ich will nicht noch meht verlieren. v

Ich lief zur Bahn. Die Stadt war eben erst erwacht. Durch die Talstraße zog, von ganz jungen Burschen in Schwarzen SS. Uniformen eskortiert, ein Trupp zerlumpter Gestalten. Rin scharfer Geruch strõmte von ihnen aus; sie stolperten und wankten. Es waren Kriegsgefangene, die zur Arbeit in die Posselt-Fabrik gebracht wurden.

Am Eck der Bahnhofstraße gegenüber der Post mußte ich einige Sekunden warten, bis der Gefangenentrupp vor- über war. Neben mir hielt ein beinloser Invalide und neben ihm eine Frau mit einem Hundewagen voller Brennholz.

Die Frau pekreuzigte sich vor den Gefangenen. Die müssen wir nun auch noch ernähren, greinte sie, cund wie sie ausschn, die reinsten Räuber!

Der Inwalide räusperte sich.(Als ob die hergewollt hätten, Frau. Als ob die nicht auch lieber bei sich zu Hause wären.v

Er verstummte, da ein Polizist vorbeiging. Es war einer der alten stãdtischen Wachleute, die ich noch alle kannte. Heil Hitler, Hert Holler!v grüßte er mich schallend.

Der Inwalide warf mir einen schiefen Blick zu und hum- pelte klappernd auf seinen kurzen Beinstümpfen davon. Die Frau seufzte.«Es ist halt ein Kreuz, überall und mit allem. v Sie erschrak, als der Polizist sich nach ihr um- wandte, und gab dem Hund vor ihrem Wãgelchen einen Schlag, daß er sich mit einem Sprung in Bewegung setzte.

Der Polizist ᷣchüttelte den Kopf; er ũberquerte mit mir die freigewordene Straße, hob nochmals den Arm, wünschte mir: Gute Reise ly und begann dann die Flagge vor dem Postamt auf Halbmast herunterzulassen.

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