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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Gegenrede, doch dann hob und senkte er nur resigniert die Arme und schlurrte hinaus.

Effi zog die Decke dichter um sich. Ich sah, daß sie frõstelte. Von der spõttischüberlegenen Haltung war nichts mehr da. Kläglich fragte sie: Ja, was bedeutet das nun, Hans dꝰ»

Ich weiß nicht, Effiv, antwortete ich.

Ich wußte es tatsãchlich nicht. Wenn ich jetzt versuche, mich in meine damalige Verfassung zurũckauversetꝰen, 80 spüre ich vor allem die saugende Leere im Magen und im Kopf die gleiche Empfindung, die ich einmal hatte, als peim Schlittschuhlaufen im Stadtpark das Eis des Teiches unter mir brach, und spãter, als ich zum erstenmal ins Ge- gecht kam. Die Szene mit Onkel Helmut, das Verhalten von Effi, mein eigenes Verhalten das alles verursachte mir ein so tiefes Mißbehagen, daß ich nur nach einem ver- langte: aus der eigenen Haut schlüpfen, von hier weg- kommen, weit, ganz weit von hier wegkommen!

Unter diesen Umständen wirkte der Befehl zur Sofor- tigen Rückfahrt nach Prag geradezu erlõsend. Daran, was die Erschießung Heydrichs zu hedeuten, für uns alle zu pedeuten hatte, dachte ich gar nicht. Der Reichsprotektor ʒt meuchlings angeschossen wordenv Dieser eben gehörte Satz Schwanum pezichungslos auf der Oberflãche meines Bewußtseins herum. 8o war das lõcherige Blechschiffchen, mit dem ich als Kind so gern gespielt hatte, in der Bade- wanne herumgeschwommen, ganz leicht, bis es plõtzlich wie ein Stein gesunken war.

cIch weiß nicht, Effiv, sagte ich, cjedenfalls muß ich gleich mal losrennen, wenn ich den Sechsuhrzug noch er- wischen will, und das muß ich wohl.v

Pffi hatte mittlerweile ihr Hauskleid ũbergeworfen. Sie war sehr plaß. cIch mach dir schnell noch was zurechtꝰ, rief sie und lief zur Türe, kam aber noch einmal zurück und umarmte mich mit jener schwermütigen und un-

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