Druckschrift 
Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen

Ja, ziemlich. Es wollte kein Ende nehmen. Die andern sind noch alle zum, Wilden Mann'. vIch schwieg, wartete au eine Entgegnung, aber auch Effi blich stumm. Wieder fühlte ich mich erlöst, und wieder war dieses Gefühl mit einer leichten Enttãuschung verbunden. Ich sagte schnell: (Na, gute Nacht!v

Effis Stimme, die bisher schläfrig geklungen hatte, wurde mit einemmal ganz wach: Was? Wieso? Kommst du nicht herein? Oder bist du am Ende zu müde?v

cIch? Nein. Ich dachte nur... v

Effi lachte.«Ein Soldat hat doch nicht zu denken. Aber wenn du vielleicht keine Lust hast?v

Ich hatte mein Haar glattgestrichen, hatte das Koppelzu- rechtgezogen, und trat ein. Das Zimmer wurde von zwei Kerzen in Silberleuchtern, die auf einem niedrigen Tisch standen, mãßig erhellt; das flackernde Licht ließ die Schat- ten aller Gegenstände tanzen, wachsen und schrumpfen. Zwischen den Leuchtern glänzte eine langhalsige, halbge- füllte Weinkaraffe. Neben dem Tisch, in einem weiten plauen Plũschsessel, kauerte Effi, eine Zigarettenspitze aus Elfenbein zwischen den Zähnen und ein Weinglas in der Hand. Zu ihren Füßen spielte ein Grammophon leise krat- zend und in schleppendem Tempo:, Parlez- moi d'amour?.

Setz dich, Hansl!1v Effi deutete mit einer einladenden Ge- bãrde auf᷑ die breite Lehne ihres Sessels. Nichts wäre ange- nehmer gewesen, als dieser Einladung zu folgen, und ich wollte es auch schon tun, doch da bockte etwas in mir da- gegen; ich zog einen Stuhl heran und setzte mich Effi ge- genüber. Der Stuhl war eines jener unbequemen, hoch- lehnigen Möbelstücke, auf denen man nur steif und lin- kisch sitzen kann, und ich machte sicher eine võllig lãcher- liche Figur.

Effi stellte das Grammophon ab. Sie lachte tief, heraus- fordernd, und mit einem Stich ins Betrunkene; in ihren grauen Augen spielte der Spott. Na, wie hast du dich un-

139