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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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einander gelang es mir, verloren zu gehen. Aus einem dunk- len Häuserwinkel beobachtete ich, wie Onkel Helmut und einige andere nach mir suchten; sie liefen aufgeregt ins Hotel zurũck und schrien ein paarmal im Chor meinen Na- men. Nach einer Weile gaben sie ihre Bemühungen auf. Laurinek kommandierte: Abmarsch!v Die ganze Gesell- chaft rũckte ab.

Der Gleichschritt klappte zuerst nicht recht. Ich konnte Onkel Helmut und den Standartenführer abwechselnd Schnarren hören:«Links, rechts! Links, rechts 1v Schließ- lich verklangen ihre Stimmen und auch das dumpfe Rum- rum des Marschtaktes im Schlunde der gewundenen Kup- ferschmiedgasse, die zum ,Wilden Mann hinunterführt.

Ich wartete noch einige Sckunden und trat dann den Heimweg an.

Als ich am Jungfernbrunnen vorbeikam, in dessen Ba- rockbecken wir als Schuljungen an heiſen Tagen so gern herumgeplanscht hatten(obwohl es streng verboten war), machte ich halt und steckte den Kopf unter den dũnnen Wasserstrahl, der aus dem Krug der steinernen Jungfrau in das Becken fließt. Die dumpfe Schwere des Bierrausches wich und nur eine leichte, nicht unangenehme Benommen- heit blieb zurück.

Die Fenster unseres Hauses waren alle stockdunkel. Schlief Effi schon? Ich spürte bei diesem Gedanken eine mit Bedauern gemischte Erleichterung. Vorsichtig õffnete ich das Haustor und stieg auf Zchenspitzen die Treppe empor. Durch den Spalt unter Effis Zimmertür kam ein Schwacher Lichtschein; auch wurde jetzt gedãmpfte Musik vernchmbar. Ich stockte, überlegte, ob ich noch anklopfen sollte. Schon war ich entschlossen, mich vorbeizustehlen, als ich Effi leise rufen hörte:«Hans 2 Bist du's d»

¶Jaꝰ, gab ich ebenso leise zurück,«du hast sicher schon geglaubt, ich komm gar nicht mehr zurückdv

Beinahe. Es ist wohl reichlich spãt, was dv

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