auch da stimmt was mit unserer Rechnung nicht. Es sind nicht die Verluste und Entbehrungen. Die wären zu er- tragen. Aber... vPosselt senkte die Stimme so tief, daß ich ihn nur mit Mhe verstand, ces gibt im Osten keinen End- punkt. Stimmt's dv
Ich gab mir den Anschein, die Frage überhört zu haben, doch Posselt drang weiter in mich:
aStimmt's oder stimmt's nicht, hedv
aIch weiß nicht, wie Sie das meinen, das mit dem End- punktꝰ, gab ich zurũck.
Posselt griff nach einem Knopf an meiner Uniformjacke und drehte ihn während des Sprechens hin und her. Na hören Sie mal, das ist doch ganz einfach. Bisher wußte man immer: jeder Feldzug hat einen Endpunkt; der muß er- reicht werden und- Schluß. Das war so mit Warschau in Polen , und mit Narvik in Norwegen , und mit Paris in Frankreich . Aber wo, zum Teufel, ist dieser Punkt im Osten d Er ließ den Knopf los und verzog das Gesicht zu einer bitteren Grimasse.«Ich meine, daß wir Moskau nicht gekriegt haben, ist nicht das Schlimmste. Natürlich, so was hätte nicht passieren dürfen, aber das wirklich Arge ist: es wãre selbst dann nicht zu EHnde gewesen. Das ist jetzt schon klar. Sie sollten mal lesen, was mein Sohn, Ihr alter Mitschüler, schreibt. Der ist beim Industrieverwertungs- kommando der Heeresgruppe Reichenau, da kriegt er seine Wissenschaft aus erster Hand.„Nichts zu machen', schreibt er,„wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Teufel. Diese Bolschewisten wissen nicht, wann sie ge- schlagen sind. Es klingt lãcherlich, aber das ist es, was uns ruiniert. Diese Kerle kämpfen weiter und weiter, und wir kõnnen doch nicht bis über den Vral hinaus ins Aschgraue vorstoßen. Ja, so ist es, mein Freund.v Posselt verzog sein Gesicht noch mehr, warf die Zigarre weg, fragte plõtz⸗ lich: Haben Sie als Junge mal Jules Verne gelesen, Reise auf den Mondꝰ und solches Zeug?... Nein? Na, ist ja egal.
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