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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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sicht. Und wie sieht's übrigens in Prag aus? Bereiten sich die Tschechen schon auf eine Nacht der langen Messer vord Ich habe da so Verschiedenes gehört. Die Kerle glau- ben natürlich keinen Augenblick dran, daß wir das Rennen machen? Die rechnen doch damit, daß sie wieder mal oben- auf᷑ sein werden dv

Ich entgegnete, daß man als einfacher Oberschütze in ei- nem Wachbataillon wenig Gelegenheit habe, die Stimmung der tschechischen Bevölkerung auszukundschaften.

Posselt fxierte mich mit einem skeptischen Blick aus sei- nen gerõteten Bieraugen.«Na, verlassen Sie sich drauf, es ist so, wie ich gesagt habev, erklärte er schließlich, cich fürchte, wir liegen ganz schief mit unseren Kalkulationen. Protektorat und Zusammenarbeit mit den Tschechen? Mumpitz. Die kann man nur brechen(wenn man sie bre- chen kann), aber biegen oder gewinnen? Nein, Herr. Da hatten wir neulich eine Sitzung in Berlin . Rohstoff. und Ersatzmittelfragen. Dazu hat auch ein Hauptleiter von der Ostverwertungsstelle gesprochen. Er war gerade von ei- ner Reise durch Weißrußland zurück. Dort ist den Bauern Land aus dem Besitz der Kollektive gegeben worden. Und wissen Sie, mit welchem Ergebnis? Die Bauern wollen sich mit dem System des Grundeigentums nicht versöhnen. Das ist wortwöõrtlich, was der Mann von der OVS. festge- stellt hat. v Posselt schwieg, sog an seiner Zigarre.«Na, und die Kriegslage dv warf er dann hin. Was halten Sie von der dv

Wieder antwortete ich vorsichtig, daß wir Soldaten nur einen schr begrenzten Uberblick hatten und daß die Herr- schaften von der Industrie weit besser informiert sein muß- ten.

Posselt machte eine wegwerfende Geste. ¶Ach, was denn? Gar nichts wissen wir. v Seine Augen hatten jetzt einen võl- lig stieren Ausdruck. Er zauderte eine Sekunde, dann beugte er sich vor und flůsterte mir zu: Die Sache ist die,

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