zu einer längeren Rede rüstete, aber da sagte Mutter mit sanfter Entschiedenheit: Wir wollen doch über all dem Meinungsaustausch die Hefenknõdel nicht vergessen. Geh, Effi, bring sie herein! Sie sind heute besonders locker ge- raten. Als ob sie's gewußt hätten, wen wir mit uns bei Tische haben.v Mutter lachte leise und streichelte mir die Hand.
Effi brachte die mãchtige Schüssel mit den weißen, duf- tenden Klõßen, und Mutter teilte jedem seine Portion zu, wobei ich am besten bedacht wurde. 4Ja, sie sind heute besonders schön. Schade, daß Kurtl und Gert nicht mit- essen können.» Das halb nachsichtige, halb geplagte Lä- cheln erschien wieder in den Fãltchen um ihre Augen und Mundwinkel. Das ist es nãmlichꝰ, setzte sie hinzu, gleich- sam als Abschluß einer unausgesprochenen Uberlegung, cweil ich euch Jungen im Krieg hab', möchte ich das mit den Gefangenen nicht machen... Nein, nein, zu denken, daß Gott behüte jemand mal einen von meinen Söhnen für fünfzehn Mark kaufen könnte... aber Helmut, was ist mit dird»
Onkel Helmut hatte, von Mutters Worten schokiert, vergessen, auf einen dampfenden Bissen zu pusten, bevor er ihn verschluckte, und saß nun nach Luft ringend da, wãhrend ihm die Tränen in den Bart liefen.
Resi stürzte mit dem Wasserkrug zu ihm.
(Danke, danke, Therese, es geht schon wiederv, wehrte er ab und goß sich ein Glas Wein ein. Dann legte er los: ¶Also was du da eben geäußert hast, Friecke, ist eine total unmõgliche Vorstellung. Einer von unseren Jungen in Gefangenschaft? Hoho! Fin deutscher Soldat ergibt sich ũberhaupt nicht, so fängt's erst mal an, und wenn doch mal einer verwundet oder sonstwie denen drüben in die Hãnde fãllt, dann gnade ihm Gott . Wir wissen ja, wie diese Berserker mit Gefangenen verfahren.“ Die verbrannte
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