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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Ab und zu von ihrer Arbeit aufblickend, begann Mutter, von der Entbindung Annelieses zu erzählen. Alles war schr schnell und glatt abgegangen.«Sie hat so gut wie keine Schmerzen gehabt.v Es klang beinahe bedauernd. Mutter nannte Anneliese nie heim Namen; auch sagte sie nicht etwa, deine Frau; Anneliese war immer nur Fsier. In der gleichen Weise sprach Mutter von dem Jungen: er war nicht ihr Enkel und nicht mein Sohn, er war, das Kind von ihr?, oder einfach ,es.«Es ist übrigens schwächlich. Keine Schönheit. Dir sieht er gar nicht ãhnlich... und das wundert mich nicht im geringsten, jetzt erst recht nicht.v

Ich hatte schon aus verschiedenen Andeutungen in Mut- ters letzten Briefen geschlossen, daß Anneliese es nach der Heirat mit ihrem Fabrikanten genau so trieb wie vorher,- was mich aber võllig kalt ließ. War nicht die ganze Kriegs- trauung bloß eine Farce gewesen eine Kriegseinrich- tung, nicht für Friedenszeiten gebaut, wie Kurt, der Grün- der dieses Rheglücks auf Abbruch, gleich zu Beginn erklärt hatte? Warum sich also über Annelieses Verhalten krän- ken oder grämen?

Mutter wiegte den Kopf. aIch bin mal für klare und saubere Verhältnisse. Wenn sie schon von dir geheiratet werden wollte wegen dem Dekorum, wie Helmut sagt, dann soll sie das Dekorum auch wahren. Ach, ich bin ja nie dafür gewesen, auch wenn ich andernfalls die Hölle hier im Hause gehabt hätte. Für mich ist eben eine Ehe immer noch eine Ehe... aber das sind wohl altmodische Ansichten in dieser neuen Ordnung!v Sie seufzte und streifte mit einem schnellen Blick das Bild Hitlers als Ritter ohne Furcht und Tadel, das Onkel Helmut ihr ins Zimmer gehängt hatte. Nun ja, was kann man tun? Und sie ging dazu über, mich nach meinem Leben in Prag auszufragen: nach der Unterkunft, nach dem Essen, nach den Kame- raden und Vorgesetzten, und danach, wer für meine- sche sorge und ob der Dienst schr anstrengend oder gar

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