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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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ländische, amerikanische womöglich. Du weißt, ich habe mal an einen Brief von Anneliese drangeschrieben, ob nicht ein paar zu haben wären. Aber daran hat der Herr Ober- Schütze natürlich nicht gedacht, oder...?v

Sie beugte sich vor und sah mir ins Gesicht, lächelnd, ausgelassen und võllig unberechenbar.

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Ich fand meine Mutter viel gefaßter, als ich sie nach On- kel Helmuts Bemerkungen erwartet hatte. Auch lag sie nicht zu Bett, sondern winkte mir von ihrem gewohnten Arbeitsplatz im Erker ihres Zimmers zu. Da saß sie, ganz wie eh und je, hinter dem Nãhtischchen, eine schmächtige, aber rüstige alte Frau in schwarzem Kleid und schwarzer Schürze; den Kopf mit dem noch sehr dichten, in der Mitte gescheitelten weißen Haar etwas vorgeneigt, die Brille viel zu weit vorn auf der Nase vielleicht um eine Spur plas- ser, als ich sie in Erinnerung hatte, aber von altgewohnter Flinkheit der Bewegungen, einer Flinkheit, die mit der be- dãchtigen Art zu sprechen nicht recht in Einklang stehen wollte.

Sie ließ die Flickarbeit in den Schoß fallen und legte mir die Hãnde auf den Kopf, fast so wie sie es früher getan hatte, wenn ich ihrer Meinung nach wieder einmal über Nacht um einen halben Kopf grõßer geworden war. Dann zog sie mit einem verschmitzten Lächeln ein Päckchen unter ihrer Schürze hervor. Da, nimmv, sagte sie, aes sind getrocknete Pflaumen, die ißt du doch gern. Nun, komm, setz dich nieder, Hansl. Sichst gut aus. Schade, daß ich dir keinen Kuchen machen konnte. Und echten Bohnen- kaffee gibt's auch nicht mehr, nur diesen Melta- Malz-Er- Satz. Na, deine Pflaumen, nur!lv Sie rückte die Glas- kugel vor der Tischlampe zurecht und nahm das Nãhzeug wieder zur Hand.

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