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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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seinem Element, und er hätte wohl nicht vor Ende der Wagenfahrt zu schmettern aufgehört, wäre ihm nicht Effi (die schon vorher einigemale versucht hatte, seinen Rede- fluß durch Gesten und Seufzer aufzuhalten) resolut ins Wort gefallen:«Ach, bitte, Vater, wir sind hier doch in keiner Amtswalterversammlung!v

Onkel Helmut blieb der Mund offen stehen.«Na, hör mall»stieß er hervor.

Aber Effi hörte nicht auf ihn. Mit dem unschuldigsten Lächeln der Welt erklärte sie, es habe ausdrücklich in der Zeitung gestanden, daß man den auf Urlaub heimkommen- den Soldaten nicht mit dem Kleinkram des grauen Alltags und mit politischen Kannegießereien auf die Nerven fallen solle.

Da hört aber schon alles auflentrũstete sich Onkel Hel- mut, Kleinkram nennst du es, wenn ich Hans auf die Ver- fassung seiner Mutter aufmerksam mache, damit er ihr als Sohn und Soldat ins Gewissen redet, sie soll sich etwas zu- Sammennehmen! Kannegießereien nennst du das? Ich muß schon sagen, s0 was ist stark... und noch dazu aus dem Munde meiner Tochter... nein, mir fehlen die Worte! Also das kannst du nicht im Ernst gemeint haben. Effi, du bist doch schließlich selber... v

(Gut, dann ist es also kein Kleinkram, meinetwegenꝰ, unterbrach ihn Effi ungerührt, daber das ãndert trotzdem nichts an der Tatsache, daß alle diese Dinge Zcit haben bis Spãter und daß ich mich bei diesem Gerede zu Tode lang- weile. Dazu hättest du mich schließlich nicht mitnehmen müssen... So, Hans, und jetzt erzähl mal von dir. Ach, ich beneide dich ja so, daß du in Prag leben kannst, das ist im- merhin eine Stadt. Hier in dem Nest könnte man glatter- dings versauern. Bist du oft im Theater gewesen? Mein Gott, ich mõchte wieder mal in die Oper gehn, und in die Operette. Und wie steht's mit guten Grammophonplatten in Prag ? Gibt's da noch welche zu kaufen? Ich meine aus-

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