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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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telte die Hand der Tochter ab, die sie zurückhalten wollte, und schrie: Was will sie? Die Polizei holen? Ach, du Mas! Also anzeigen willst du mich? Also gespitzelt hast du hier? Also dazu erzicht man euch! Eine feine Jugend. Na, hol nur die Polizei, hol sie nur, du Mistvieh! Mir soll's recht sein. Was hab ich denn verbrochen? He! Ist es viel- leicht nicht wahr, daß sie uns den Frieden schon zu Weih- nachten vor zwei Jahren versprochen haben? Den Frieden, und daß die Russen in sechs Monaten auf der Nase liegen werden, und daß es nie so kommen wird wie im letzten Krieg mit dem fleischlosen Fraß und den Ersatzlumpen und dem Geld, für das man sich gerade noch Kriegsanleihe kaufen kann, aber sonst gar nichts... vDer Atem ging ihr aus; sie rang nach Luft und Worten.

Das Hitlermãdchen triumphierte: ¶Aha, da haben wir's! Wie ich's gesagt habe: die richtige Zersetzungspropaganda. Die Juden in Moskau und Washington könnten's nicht besser.v Und mit einem Blick zu mir hin: Was sollen sich die Frontsoldaten denken, wenn sie auf Urlaub kommen und schen, daß wir sowas dulden? Wie kõnnen wir denen in die Augen schauen, die ihr Blut hergegeben haben d»

Sie verstummte. Eine dumpfe Stimme war laut gewor- den:«Uns lassen Sie gefälligst aus dem Spielelv

Gleich darauf tauchte der Sprecher auf. Es war der Mann, der die ganze Zeit über hinter dem Wettermantel gesessen hatte. Jetzt stand er da, mũhsam auf einen Krückstock ge- stützt. Sein entsetzlich abgemagerter Körper schlotterte. Der Unterkiefer war mit einem Riemengeflecht umgeben; ũber der zerstõrten Nase flackerte nur das linke Auge, das rechte wurde von einer schwarzen Binde verdeckt. Diese wracke, nur wie durch ein Wunder noch zusammengehal- tene Kreatur wirkte auf den ersten Blick mehr grotesk als grausig.

Ist das mõglich dvdachte ich, anein, das kann nicht sein, das ist eine Einbildung.v

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