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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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S gab einen jähen Ruck. Die ausgeleierten Achsen kreischten durchdringend. Mein Kopf schlug gegen die Holæwand. Ich tauchte aus dem dõsigen Schlaf empor, in den ich versunken war, kaum daß ich mich in die Ecke des leeren halbdunklen Abteils gesetzt hatte. Der Zug rollte langsam und schlingernd aus der Abfahrtshalle. Es wurde hell. Ich Sah, daß das Abteil jetzt voll war, übervoll. Auch im Gang vor der Coupẽtũtre saßen und standen Rei- Sende, dicht aneinander gedrängt. Eine Frauenstimme quãngelte in heiserem Falsett:«Zehn vor sechs. Fast zwei Stunden Verspãtung gleich bei der Abfahrt! Wãre so was früher denkbar gewesen?»

Frinnerungen an frühere Fahrten von Prag nach R... wurden in mir wach- Fahrten mit meiner Schwester Bar- bara, zu Beginn der Weihnachts- und Osterferien, oder zu Mutters Geburtstag, oder aus sonst einem angenchmen Anlaß. Damals hatten wir auch immer den Nachmittagszug genommen, aber damals war er pünktlich, mit dem Glok- kenschlag drei, abgefahren, und überhaupt: was war aus dem blanken, sauberen Drei-Uhr-Zug von damals gewor- den, aus unserem«Zug zu Mutternꝰ, der eigentlich schon ein Stück Zuhause bedeutet hatte!

Ja, jetzt erst fiel mir auf, in welchem Zustand völliger Verwahrlosung sich alles rundum befand, die Fenster- scheiben gesprungen und nur notdürftig zusammen-

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