Er wandte den Kopf, gab mir einen Wink.«Hast du geschn, was ich aus den alten Kähnen gemacht habe dv fragte er, als ich zu ihm trat. Er zcigte auf den Pappekarton. Ich drückte meine Bewunderung über seine Schuhmacher- künste aus. Seelke wehrte geschmeichelt ab. cJa, unsereins muß immer auf dem Draht sein. Geschenkt kriegt man nichts. Das Leben ist kein Familienausflug. Natürlich, ein pißchen Glück muß man schon haben, ohne das geht's nicht. Na, und das hat man ja auch. Was glaubst du, wie So'n Stiebelpaket meiner Alten unter die Arme greift. Die weiß sowieso nie, was sie zuerst ranschaffen soll für die Mã'chens.v
Seelke begann von seinen fünf Töchtern zu erzählen. Vier gingen noch zur Schule; die Klteste hatte zwar schon selber eine zweijãhrige Göre, aber der Mann war ihr davor- gelaufen, und seither lebte sie wieder bei der Mutter. Fünf Töchter und die Enkelin— was so ein halbes Dutzend Reißteufel allein an Sohlen in einem Jahr kaputt machten! Und Familie Scelke hatte keinen einflußreichen Freund irgendwo oben in der Partei, der ihr ein paar Bezugs- cheine hintenherum besorgt hätte.
Pamit war Seelke hei seinem Thema angelangt, das er vorhin schon mit offenbarem Behagen behandelt hatte. Nee, mein Junge, erklärte er jetzt in betontem Berline- risch, awir ha'm nur unsern Jott, und der is zwar eene feste Burg, aber keene Versorgungsanstalt nich. Bezie- hungen sind längst abjemeldet. Det eenæje Vitamin B for de Famillje is...ver warf sich mit einer komischen Mi- chung von Stolz und Bekũmmernis in die Brust, u... Aois Scelke selber und janz alleene, jawoll! Dabei schn de Jõren aus wie de Jrafenkinder. Da, kick mallv
Er hatte aus seinem Spind eine Mappe mit Bildern und Briefen geholt. Auf einer Photographie standen die Töch- ter in einer Reihe nebeneinander wie Soldaten bei einer Wacheablõsung. Die Kleinen, links, dürr wie Stecken,
90


