lachte leise, pitter. Ah, mein Licber, was ist das für eine Welt, in der wir uns herumtummeln? Merde, nichts als merde. Aber so ist es nun mal. Nichts zu ändern, Freund- chen. Da hilft nur eines: man darf sich nicht zivilmäßig gehen lassen, in Gefühlen schwelgen, so als Privatmann mit komfortablen Sentiments. v
Er setzte sich straff auf, schnallte seine Koppel enger, holte einen Putafleck aus dem Brotbeutel und machte sich daran, seine Stiefel zu polieren.
Ja, sichst duv, erklärte er mir dabei, und seine Stimme hatte den gewöhnlichen Tonfall wieder angenommen, ceine gut gehaltene Uniform bringt einem nebenbei auch die beste Meinung über sich selbst bei. Das hat mir mein alter Herr schon immer eingeschärft. Blanke Stiefel, hat er gesagt, sind in einer Aktion s0 was wie Standarten oder Fahnen— ein moralbildender Faktor. Ich war damals noch zu klein, um ihn zu verstehen, aber gemerkt habe ich mir seine Worte, und weiß Gott , sie sind goldrichtig. v
Chabrun lächelte. Sein scharfgeschnittenes dunkles Ge- sicht zeigte keine Spur von Müdigkeit oder Katzenjam- mer.
15
Seelke legte die braunen Damenschuhe, die mit ihren neuen hohen Absätzen und den blanken Schnallen aus Pa- tronenblech recht stattlich aussahen, zu den hereits verpack- ten anderen Paaren in einen Pappekarton; verschnürte die- sen mit einem langen Bindfaden und siegelte die Fadenen- den sorgfältig fest. Dann trat er einen Schritt zurück, stemmte die Arme in die Hüften und gab sich der Betrach- tung des fertigen Pakets hin. Auf seinem bebrillten, rosi- gen Schülergesicht lag ein Ausdruck von freudiger, fast verklärter Befriedigung.
Ich schaute Seelke zu und wußte nicht recht, was von ihm halten.
89


