Dietz unterbrach ihn:«Natürlich. Ich habe vergessen, daß der Hert Baron seinen aristokratischen— ahem— Hoch- mut besitzt, der ihn schon immer davor bewahrt hat, das- selbe zu tun wie wir gewöhnliche Sterbliche.v
Chabrun z0g eine Zigarette hervor, die er offenbar in der Tasche gerollt hatte. Er betrachtete sie wohlgefällig, rauchte sie an. Dann erst sagte er, ohne die Zigarette aus dem Mund zu nehmen,— es klang abgründig gleichgültig: cIch weiß nicht, warum du ewig auf dem Aristokratischen herumreitest? Wir haben von dir nun schon hundertmal gehört, daß der Adel tot und abgetan ist. Bon. Ich selbst glaube, daß es einen Adel im alten, strengen Sinne kaum mehr gibt, es sei denn als Sehnsucht... aber das gehört nicht hierher, und überhaupt hat es wenig Sinn, wenn der Rabe und der Fuchs über das Fliegen diskutieren.v
Dietz biß an seinen kurzen, weichen Fingern. Das be- weist gar nichts v erklärte er streitsũchtig.
Ist auch nicht so wichtigv, meinte Chabrun und blickte versonnen einem Rauchwölkchen nach, das er ausge- stoßen hatte, caber was ich noch sagen wollte: Hochmut, mein Freund, ist auch nichts so Negatives wie du zu glau- ben scheinst. Richtiger Hochmut, natürlich: der Wunsch, besser zu sein. Haltung, mit einem Wort. Und Haltung ist für mich immer noch eines der untrüglichen Zeichen dafür, ob ein Mensch Rasse hat oder nicht: in vielen Fãllen ein wichtigeres Zeichen als alle anderen Merkmale. v
(Ohov, ereiferte sich Dietz, adas nenne ich aber eine Sonderbare Rassenauffassung. Natürlich, da sicht man wie⸗ der einmal: wer von unserer Weltanschauung nicht er- griffen ist, wie von einem Urerlebnis; wer den Glauben nicht in sich trãgt... vEr schnurrte los wie eine angelassene Spieldose.
Chabrun machte einige Male den Versuch, etwas ein- zuwerfen, dann gab er es auf.
Der Redefluß von Dietz kam erst zu einem Ende, als
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