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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Es war einer jener verfrühten schwülen Tage, wie sie sich bisweilen in den zu Ende gehenden Frühling ver- irren. Die Luft ũber den Wetterhãhnen der Nachbarhauser flirrte im prandigen Licht der langsam sinkenden Sonne. Es roch schwer und feucht nach dũnstender Vorstadt, nach Rauch, Schweiß und heraufzichendem Gewitter.

Klobocznik und Seelke hatten sich, trotz der bleiernen Hitze, nach dem Gewehrexerzieren noch zu einem Him- melfahrtskommando gemeldet. Maurer war zur Kompa- nickanzlei gegangen, um die Tabakration für unsere Stube in Empfang zu nchmen. Wir drei übrigen Cha- brun, Dietz und ich- lagen auf unseren Betten und dõsten. Aus dem Rundfunkapparat, den Maurer vor kurzem über- holt hatte, kam die piepsende Stimme der Ansagerin des Kraft- durch Freude-Programms: cK. d. F. bringt Ihnen jetzt im Rahmen der allwõchentlichen Kulturstunde einen Vortrag von Oberdienstleiter Lafferenz:Die Bayreuther Kriegsfestspiele ein Symbol der ewigen deutschen Sccle Ein fettiger Baß begann über die nationalsozialistische Vision in Richard Wagners Werken zu sprechen. Dietz, der das Programm eingeschaltet hatte, pfiff als Begleitung die ersten Takte der Ouvertüre zuSiegfried', wobei er immer wieder von neuem anfing.

Chabrun sagte plõtzlich: Und das nennt sich Ausruhn, nein danke. Hõr mal, Dietz, wie lange soll denn das noch dauern? Und überhaupt was zum Teufel machst du jetæt hier? Warum bist du nicht mit bei dem H. K.

Dietz setzte sich mit einem Ruck auf.(Na, gestatte mal, genau so gut könnte ich fragen, warum du nicht mitge- gangen bist ꝰv

Aber bitte schrv, näselte Chabrun, adeiner Frage steht gar nichts im Wege. Du vergißt nur, daß es pei mir nichts besonderes ist.v

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