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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Die Glühbirnen in den Laternen brannten hinter blauge- färbter Glas. Selten nur begegnete uns ein Zivilist ein Deutscher mit dem Hakenkreuz, oder ein Beamter der Pro- tektoratsregierung mit dem Abzeichen, das ihn von der Neunuhrsperre befreite. Ansonsten bekamen wir nur Uni- formierte Zu Sehen.

In dem fahlblauen Licht nahmen sich alle Vorũberkom- menden mehr unwirklich als wirklich aus. Ich mußte an Vineta denken, die im Meere versunkene Stadt. Der Ge- danke hatte seltsamerweise nichts Unheimliches an sich. Das kam wohl von dem ganz guten Schnaps, den ich getrunken hatte und der mich auch jetzt noch auf seinem schaukeln- den Rücken reiten ließ wie eine frõhliche Welle; es mochte aber auch daran liegen, daß mir bei meinem letↄten Spazier- gang durch die Stadt nichts so fremd, so versteint und so abweisend erschienen war wie das Gesicht der Einwohner, von denen im Augenblick nichts zu schen war.

Dietz, der viel mehr getrunken hatte als ich, stolperte ne- pen mir her und schwadronierte schluckend und prustend ůber seine Erfahrungen mit den Mãdchen in Militäãrbordel- len. Die Sloweninnen und Polinnen, die man jetzt oft dort fand, waren nicht so ohne. Zur Fortpflanzung der Rasse kamen selbstverstãndlich nur deutsche Frauen in Betracht, aber wenn es ums reine Vergnũgen ging, waren diese sla- wischen Weibsen gar nicht zu verachten, im Gegenteil...

Pietz wurde von einem heftigen Lachanfall geschüttelt. Hau mir auf den Buckelv, keuchte er, afest, fest.. au, bist du wahnsinnig? Na, ist schon gut... vEr legte seinen Arm um meine Schulter und fragte:«Hast du eigentlich schon mal 8o'ne kleine Tochechische im Bett gehabt? Ich meine nicht im Bordell, sondern so. Du warst doch schon früher hier in Prag , als Student, nicht? Sind sie damals denn nicht zugãnglicher gewesenꝰv

Sein Hundegesicht mit der langen Nase war gespannt. Er kam mir plõtzlich ganz nüchtern vor. Ich hatte die Emp-

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