Seelke hielt für einen Augenblick im Gewehrputzen inne und fragte: a, warum hängt man diese Tschechen nicht lieber ꝰ
Was? Warum soll man sie licher hängen? gab Diet⸗ etwas zõgernd zurück: dann setzte er schnell hinzu: Wie soll man das übrigens verstehen ꝰ
aSo, eben. Zivilverurteilte gehören doch eigentlich ge- hängt und nicht erschossen. v
(Erstens sind es nicht einfach Zivilverurteilte, sondern Kriegsverbrecher, und zweitens ist es ja egal. Oder...» Dietz hatte sich herumgewälzt, so daß er auf dem Bauch lag; er starrte Scelke aus seinen feuchten, vorstehenden Augen mißtrauisch an, aoder geht dir das ganze Geschäft gegen dein Gefühl?v
Scelke schob den gereinigten Verschluß in das Gewehr. PBr stellte die Waffe weg. Seine Stirn legte sich in Falten, was ihm ein sonderbar altkluges Ausschen gab. Wieso denn Gefühl?» Er schüttelte den Kopf. Das ist Pienst, und da gibt's kein Gefühl. Wo käme man sonst hin? Nein, mein Junge, wenn ich im Dienst bin, dann kenn ich sonst nichts.v
Na, das ist das erste vernünftige Wort, das du heute ge- sprochen hastv, meinte Dietz.
Was soll das wieder heißen?v meckerte Scelke.
Klobocznik wollte Frieden stiften und schlug einen Skat vor, doch hatten weder Seelke noch Dietz Lust zu einem Spiel.
Chabrun, der bisher stumm in einer Zeitung gelesen hatte, rief plõtzlich:«Hört mal zu, das nenn ich eine Ge- schichte!lv Er begann vorzulesen. EFin Einbrecher, dem Seine originelle Art den Spitznamen Nachtgespenst? einge- tragen habe, mache seit geraumer Zcit die vorwiegend von deutschen Volksgenossen bewohnten Villenviertel Prags unsicher. Der ungebetene Gast rũhre Geld und Schmuck- Sachen nicht an, lasse aber Nahrungsmittel und Seife mit- gehen, wobei er sichtlich Wert auf᷑ gute Qualitãt lege. Er
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