unternehmen, und schwieg sich aus, wie immer, wenn er nicht mit Erfolgen auftrumpfen konnte.
Von daheim schrieben sie mir, daß Mutter wieder einmal mit ihrem Brustkatarrh darniederliege, aber schon auf dem Wege der Besserung sei; daß Anneliese mãchtig zunchme und wohl in Kürze niederkommen werde; und daß Onkel Helmut bei den letzten Zwangsversteigerungen nichtdeut- Schen Eigentums eine Menge Möbel für unser künftiges Heim erstanden habe.
Es sind vier schwere Klubsessel dabeiꝰ, schrieb Anne- liese, clachsfarbener Samt, schr schick, aber leider auch schr heikel. Ich hätte schon wegen der Vorhänge licber grünes oder rotes Leder gehabt, aber bei diesen Verstei- gerungen muß man eben nehmen, was da ist. Die Sachen waren natürlich spottbillig und sie schauen aus wie neu. Man hat sie diesen Juden oder Tschechen noch rechtzcitig abgenommen, hevor sie verlaust und verludert werden konnten. NB.: Könntest du vielleicht in Prag etwas von dem guten tschechischen Pflaumenmus auftreiben? Hier kriegt man nur noch Einheitsmarmelade von einem Ge- schmack... aber ich will licher nicht wiedergeben, was Effi jedesmal beim Frũhstück darũber sagt. Wozu Eff, Annelieses jüngere Schwester, in einer Nachschrift be- merkte: Sehe absolut nicht ein, warum Anneliese so vor- nehm tut, wo das Zeug tatsãchlich zum Kotzen ist.v
Ich steckte die Briefe, in denen ich— auf der Kante meines Bettes sitzend— gelesen hatte, unter das Kopf- kissen, ließ mich nach hinten fallen und dõste mit offenen Augen vor mich hin. Es wãre gut, ein Mãdchen zu haben. Nicht Gerda Putz(je näher ich die kennen lernte, desto mehr erinnerte sie mich an Anneliesc), nein, nicht Gerda, aber jemand wie... Hier verschwammen Vorstellungen und Wünsche in einem Nebel. In einem Nebel, der bãuer-
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