die letzte halbe Flasche hinter die Binde gegossen. Auch war Dietz unterdessen eingeschlafen, und alle Versuche, ihn wachzukriegen, blieben erfolglos. Wir gaben es schließ- lich auf, ihn weiter zu rütteln. Ich konnte plõtzlich die Au- gen kaum offen halten. Den andern schien es ebenso zu er- gchen. Seelke trank noch schnell alle Bierreste aus, dann gingen wir zu Bett.
In der nächsten Woche lernte ich meinen neuen Dienst kennen. Er war so, wie ihn mir der Stabsgefreite auf der Kommandantur geschildert hatte, nur daß zum Wache- stehen und Gewehrexerzieren mitunter auch noch ein we- nig Schule kam: Unterricht in der Felddienstordnung und weltanschauliche Erziehung. Diese war das besondere Stek- kenpferd von Unteroffizier Klahde, der unsere Gruppe führte. Seine ungewöhnlich großen, von dem langen Schä- del weit abstehenden Ohren erglühten in der Farbe reifer Tomaten, wenn er mit erhobener Stimme die„nationalso- zialistischen Grundwerte“ aufzählte:«Erstens Rasse, zwei- tens Führertum, drittens Gefolgschaft, viertens... nun, Dietz dv
Worauf Dietz im gleichen schmetternden Tonfall fort- setzte: Viertens Deutschtum, fünftens Volksgemeinschaft, sechstens Soldatentum.v
Es gab überhaupt keine Frage in Weltanschauung, die Dietz nicht beantworten konnte. Und wie er antwortete! Das ging ruck- zuck wie ein gut geölter Gewehrgriff:
Welches Führerwort müssen wir Deutsche uns heute ganz besonders vor Augen halten? Können Sie mir das sagen, Dietz dv
Jawoll, Herr Un'off'zier: Das Recht des Stärkeren ist das naturgegebene Recht des deutschen Volkes'. v
Oder:
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