Das Dünnbier machte seinem Namen Ehre: es füllte nur den Bauch, hob aber nicht die Stimmung; man fühlte sich nach dem sechsten Glas noch genau so nüchtern wie vor dem ersten. Glũcklicherweise brachte Klobocznik es fertig, ein paar Flaschen Schwarzen Sliwowitz zu beschaffen, und so stellte sich schließlich doch die richtige Festlaune ein.
Seelke sang mit überraschend wohlklingender Bariton- stimme, Was kann es Schõneres geben, als in Hamburg ein Mãdchen für Geld“ und, LippeDetmold, du wunderschõne Stadt?.
In das letzte Lied stimmte auch Maurer ein. Er hatte eine besondere Art, von dem Tod des armen Soldaten aus Lippe- Detmold zu singen.
(Es kriecht einem dabei die kalte Katze den Rücken hin- unterv, beklagte sich Klobocznik, und Pietz bekam gar das heulende Elend. Er begann zu schluchzen und Flaschen vom Tisch auf᷑ den Boden zu werfen.
Um ein Haar wãren wir alle in die schõnste Patsche ge⸗ raten, wenn nicht Chabrun, trotz Lärm und Alkohol, etwas gemerkt hätte. Er sprang plõtzlich auf und schrie:«Ruhe! Es kommt wer. v
Die andern kannten Chabruns Hellhörigkeit offenbar schon gut. Ohne auch nur einen Augenblick mit Fragen zu verlieren, ließen sie die Flaschen und Glãser verschwinden, wickelten Dietz, der nicht still werden wollte, in eine Decke und verstauten ihn unter einem Bett. Dann markierten sie eine unschuldige Dominopartie. Die Inspektion, die kurz darauf in die Stube kam, witterte nichts und zog schnell wieder ab.
Chabrun und Seelke wollten weiterfeiern, aber es stellte sich heraus, daß kein Sliwowitz mehr da war. Klobocznik hatte im Durcheinander des Wegräumens, und um der In- Spektion nichts Verdãchtiges in die Hãnde fallen zu lassen,
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