übrigen, meinte Kurt, könne ich ja die ganze chose als das betrachten, was sie nun einmal sei,— Eheglück auf Ab- bruch, eine Kriegseinrichtung, nicht für Friedens?eiten ge- baut.
Alles wurde dann im Handumdrehen erledigt Go schnell, daß Mutter, der die Sache gegen den Strich ging, gar keine Zeit hatte, etwas dawider zu unternehmen). Die Trauung fand ohne mich auf dem Vertretungswege statt; ich bekam ein Photo der Zeremonie zugleich mit der Eheurkunde zu- gesandt. Der Familienfriede war gesichert; Onkel Helmut Sah das bedrohte Dekorum gerettet; Anneliese konnte sich nicht nur als Frau eines unserer braven Feldgrauen sprei- zen, sondern erhielt obendrein alle Vergnstigungen für Soldatenfrauen; und mir winkte ein neuer Druckposten.
Ich kam in Prag an einem der letzten Apriltage, zeitig in der Frũhe an. Klar und frisch wie jener Morgen war, hat sich die Erinnerung daran vor meinem inneren Auge er- halten.
Eigentlich hätte ich schon am Abend vorher eintreffen sollen, aber der Zug war unterwegs immer wieder auf- gehalten worden, um Heerestransporte passieren zu lassen. Von Station zu Station hatte sich die Verspätung ver- größert, bis sie zum Schluß fast einen halben Tag aus- machte.
Ich fuhr schlaftrunken hoch, als die Räder über die Wei- chen des ersten Prager Vorortbahnhofs rumpelten. Die Müdigkeit von zwei, auf der Holzbank eines schmalen, altmodischen Dritte-Klasse-Abteils verbrachten Nächten beschwerte die Arme und Beine, und lag wie grober Sand unter den Lidern, doch sie schwand rasch, als ich zum Fenster trat.
Die Sonne war noch nicht aufgegangen; die hundert Türme der Stadt schwammen in einem grausilbernen, wie milchigen Licht. Ich õffnete das Fenster. Ein Schwall jener
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