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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
29
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I

NKEL. Helmut war es gewesen, der mich seinerzeit

gezwungen hatte, Prag zu verlassen. Nun fügte es ein ironischer Zufall, daß ich Prag gerade auf sein Betreiben wiedersah.

Das kam so: als nach den furchtbaren Winterschlachten von 1942 die Lazarette und Kasernen ausgekämmt wur- den, um Reserven für die geplante große Sommeroffensive zu schaffen, drohte auch mir die Versetzung aus der Schreibstube zu einer Fronttruppe. Da waren es Onkel Helmuts Bezichungen, die mir den Vermerknicht feld- dienstfãhig und die Kommandierung nach Prag eintrugen. Ich verdankte diese Fürsorge meines Vormunds dem Um- stand, daß ich seit kurzem auch sein Schwiegersohn war. Anneliese hatte mich als Vater des Kindes bezeichnet, mit dem sie schwanger ging. Zwar sprach viel mehr gegen diese Bchauptung als dafür(war ich doch keineswegs der einzige, dem Anneliese einen Urlaub versüßt hatte, ganz zu schweigen von ihrem ziemlich stadtbekannten Verhält- nis mit einem verheirateten Fabrikanten aus G..., der als Sonderbeauftragter des Reichsverbandes der Industrie häu- ſig in R... zu tun hatte), trotzdem strãubte ich mich nicht allzusehr, als Bruder Kurt mir schrieb, ich möge in eine Kriegstrauung einwilligen: um des lieben Familienfriedens willen, und weil Mutter, die in Onkel Helmuts Hause wohnte, sonst keine ruhige Minute mehr haben würde. Im