Sogar Gerhard, der sich nur langsam von einer bei den Kämpfen in Flandern erlittenen Verwundung erholte, schrieb aus dem Offiziers-Erholungsheim in Biarritz: Auch wenn man, wie ich, mit einem zusammengelöteten Schädel herumlaufen muß und höchstwahrscheinlich nie wieder gute Figur auf einem Gaul machen wird, hat man nicht zu teuer für den Mordsspaß bezahlt, mit dabei- gewesen zu sein. v
Als ich im Frühjahr mit einem Rekrutentransport zum Feldregiment abging, das damals an der jugoslawischen Grenze stand, nahm ich das schwarz-weiß karrierte Heft mit.
Von da an begannen sich die Seiten zu füllen. Ich führte Tagebuch, wann immer und wo immer ich konnte: in den Wochen des Wartens vor der Erõffnung des Balkanfeld- zuges; auf dem Vormarsch gegen Zagreb ; am Tage mei- nes ersten Gefechts(in dem ich von einem unserer eigenen Panzerwagen angefahren und an der Hüfte verletzt wurde); im Lazarett in Südkärnten , wo ich nach meiner Heilung noch viele Monate blieb und auf᷑ der Schreibstube Dienst tat; und schließlich, diesen letzten Sommer hindurch, beim Wach- und Sicherheitsbataillon in Prag , und das letztemal bei der Ankunft in der Frontstellung, an jenem Abend, da mir der Oberfeldwebel das Heft wegnahm... anderthalb Jahre im ganzen.
Doch wenn ich jetzt im Geiste die vielen eng beschriebe- nen Seiten durchblättere, um auszusondern, was wert ist, als Baustein für meine Geschichte zu dienen, so bleibt nur das letzte Drittel bestehen. Das letzte Drittel— die Seiten, die in der Prager Zeit geschrieben wurden. Alles Vorherige mõchte ich weglassen. Nicht etwa deshalb, weil es mir viel⸗ fach verwischt und fast ausgelõscht erscheint(es sind mir auch manche spätere Einzelheiten entfallen, so tief sich mir andere, oftmals ganz kleine, eingeprägt haben); nein,
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