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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
23
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rierten Heft einige flüchtige Notizen, doch wüßte ich jetzt nicht mehr zu sagen, was mir in jenen Tagen voller ãußer- licher Begeisterung und inneren Frierens der Aufzeichnung wert erschien.

Wãhrend des ganzen ersten Kriegsjahres lag das Tage- buch zu Hause in R... bei meinen alten Kollegheften und Indianerbũchern. Ich war von der Militärbehörde einstwei- len zurũckgestellt worden und arbeitete als Hilfslehrer in einem mecklenburgischen Sammellager für sogenannte Volksdeutsche, die aus den õᷓstlichen Randstaaten heim ins Reich gebracht wurden. Unterkunft und Verpflegung konn- ten nicht schlechter sein. Der Schulleiter, ein vermickerter Ater Kämpfer, der sich zurückgesetzt fühlte, ließ seinen Krger an uns Hilfslehrern aus. Die Schüler waren trãge und aufsãssig. An ein Aufgeben der Stellung konnte ich nicht denken, da sie mir vom Arbeitsdienst zugewiesen worden war.

So empfand ich es als eine Art Erlõsung, als im Winter 1940 die Einberufung zum Waffendienst kam. Der Krieg schien damals fast keine Schrecken mehr zu haben. Las man die Berichte von Lutz und Kurt, die beide den Feldzug im Westen mitgemacht hatten und nun aus franzõsischen Gar- nisonsorten große Pakete mit Cognac, Sardinen, Parfüms und Seidenstoffen nach Hause schickten, so spielte sich der Krieg tatsãchlich so ab, wie er in den frisch frõhlichen Sol- datenliedern geschildert wurde, die wir beim Ausmarsch zum Exerzieren sangen:

Zweifarbne Tücher, Bomben und Granaten, Eine Flasche Rotwein, Und ein Stũckchen Braten, Ei, tschinderassa, bumderassa Tschingdera...

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