quemer, nachzugeben, als auf eigenen Meinungen zu be harren. Ich entzog mich gern jeder Verantwortung. Ich liebte die Wege des geringsten Widerstandes.
Ja, ich gehörte zum Flugsand.
Auf Wunsch von Onkel Helmut und Lutz verließ ich prag und ging für den Rest meiner Studienzeit nach Leip- zig. Dort hatte Lutz Freunde in der Fũhrung des National- Sozialistischen Studentenbundes, Kerle von seinem Schrot und Korn, die mich, wie er sagte,„nach allen Regeln der Kunst ausrichten“ würden.
Das Tagebuch hatte über die zwei Leipziger Jahre fast nichts zu berichten. Ein paar Klagen über den faden Trott der Vorlesungen und Seminare, ein paar zynisch-melan- cholische Bemerkungen über Liebeleien mit Mãdchen von der Hitlerjugend , und ũber Marschübungen des Studenten- bundes— das war alles.
Von den Ereignissen der großen Politik fand sich kein Niederschlag auf den plaulinierten Seiten. Es war wohl so, daß die„Triumphe der großdeutschen Sache“, die damals gefeiert wurden— der Anschluß Osterreichs und meiner Sudetenheimat ans Reich, die Besetzung der tschechischen Gebiete und die Angliederung des Memellandes—, in mir, wie in Millionen meiner deutschen Landsleute, nur ein aus Freude und Schwindel gemischtes Gefühl glücklich über- standener Gefahr auslösten. Wir paradierten, ließen den Führer und die Wehrmacht hochleben, betranken uns und waren im übrigen heilfroh, daß wir noch einmal mit der bloßen Angst vor dem Kriege davongekommen waren. Erst später erfuhr ich(auf eine komische Weise, als mir nämlich die Gedenkmedaille verlichen wurde), daß Lutz mich kurzerhand als Freiwilligen für die Sudetendeutsche Freikorps-Reserve angemeldet hatte.
Uber die erste Septemberwoche 1939, inder es danndoch zum Krachen kam, fanden sich in dem schwarz-weiß kar-


