11.
Er erwachte und zog den Vorhang auf. Es regnete fein und gleichmäßig auf Mrs. Carpenters kleinen, schäbigen Gartem.
Es war eben sieben. Ruths Zug sollte um vier Uhr ankommen. Das waren genau neun Jahrhunderte. Und obendrein war es Sonntag... Zunächst rasierte er sich ungeheuer sorgfältig und langsam, ohne Geräusch, um den noch schlafenden Steiger nicht aufzuwecken. Aber länger als eine halbe Stunde kann sich niemand rasieren.
Er hatte Ruth seit einem Monat nicht gesehen. Sie hatte sich schwer erholt. Zwar erklärte Sir Rufus schon sehr bald die Wundstellen im Halse für vorbildlich verheilt- ,, glatt und rein wie polierter Onyx", sagte er gewählt- und das war auch das Wenigste, was man bei seinen Preisen verlangen konnte. Aber die Nachschmerzen dauerten an, das Gefühl quälender Trockenheit und der Hustenreiz, sie kam auch nur langsam zu Kräften.
Und noch langsamer kehrte ihr Lebensvertrauen zurück. Sie konnte noch immer nicht glauben, daß ihr Gutes bestimmt sei. Ludwig drang nicht in sie. Das Bild mit der Unterschrift ,, Meinem neuen Augenlicht" stand auf ihrem Tisch in der Klinik. Es würde der Tag kommen, an dem sie den Namen ihres Vaters frei aussprechen konnte. Und das, er fühlte es, würde der Tag sein, an dem sie völlig
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