ihn. War auch dies Haus schon geräumt, sie selber wieder verzogen? Aber nein, hier wohnten noch Menschen. Das Fenster neben der Tür hatte noch einen Vorhang, und ein vertrocknetes Blumentöpfchen stand da.
Dann wurde geöffnet. Eine sehr alte Frau, mit einem gestickten rosa Schal um die Schultern, hielt ihre Hand an's Ohr.
,, Miss Wetzlar, bitte!"
Sie schüttelte fragend den Kopf.
,, Ruth Wetzlar!" rief er so laut, daß es widerschallte von der Wand gegenüber.
,, Krank . Sie ist krank. Kann ihretwegen nicht ausziehen!" Und sie wies mit dem Knochenarm hinunter zur Park- Ecke, wo der Mörtelstaub flog.
Ruth lag in einem jämmerlich schmalen Bett. Sie sah ihm gerade und ernsthaft entgegen und hob nicht den Kopf.
,, Was ist denn mit Ihnen, um Gotteswillen!" ,, Biẞchen Halsweh," sagte sie mühsam.
دو
Und ziemlich viel Fieber vielleicht. Haben Sie
sich gemessen?"
Aber so zu fragen war müßig. Ihre Augen leuchteten recht beängstigend, und die vollen Lippen waren zersprungen. Sie schien geradezu Hitze auszustrahlen. ,, Es sind nur die Mandeln."
,, So- nur!"
Er streckte die Hand aus und berührte seitlich ganz zart ihren Hals. Die Drüsen waren hoch aufgeschwol
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