8.
Zwar wurde sie ruhig, als er ihr sagte, wer er sei, aber es war keine Freude in ihren Augen, kein rechtes Erkennen, kein Echo für das stürmische Wiedersehensglück, das er selber empfand. Sie wendete nichts weiter ein, als er vorschlug, irgend eine Teestube aufzusuchen, um da in Ruhe zu sprechen. Nur schien sie nicht zu finden, daß zwischen ihnen viel zu besprechen sei.
Es störte ihn nicht. Er fühlte sich kräftig, jedes Hemmnis zu überrennen. Aber wie sie in dem kleinen Raum als die einzigen Gäste einander gegenübersassen, wußte er nicht wo beginnen und redete, zu seiner Beschämung, belangloses Zeug. Sie betrachtete ihn mit traurigem Spott.
دو
Was haben Sie für ein Zucken da an der Schläfe?" sagte sie auf einmal, und eigentlich war es das Erste, was er von ihr vernahm. Sein Leidenszeichen, sein Lebensmal, sie nannte es sogleich beim Namen. Die Frage kam wie ein Schock für ihn und dennoch vertraut, ganz natürlich.
Ihre Stimme war tief, süß und klingend, und erweckte die unmittelbar körperliche Vorstellung ihres schmalen Rückens, der wie ein Geigenrücken erzittern mußte unter dem vollen Laut. Ludwig war, als liege seine Hand auf diesem Rücken, und er spüre sie leben. Vom ersten Augenblick an war er sinnlich verliebt in das dunkle, schöne Wesen und zugleich voll
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