6.
In diesen gewaltigen Kuppelraum, den Lesesaal des Britischen Museums, mündet, unweigerlich fast, der Weg der Heimatlosen, Verbannten. Gleich als Ludwig zum ersten Mal niedersaẞ an einem der lederbezogenen Arbeitstische, wurde ihm wohl und feierlich. Tiefe, verschlossene Stille. Kein Laut vom rasselnden Atem der Millionen draußen. Ein Grab des Lebens, aus dem der Geist sich aufschwingt, empor zur immensen Wölbung dort oben, die an die schönste Kuppel der Welt gemahnt, an die im Pantheon.
Rom und Antike, der Begriff stellte sich ungesucht ein. Dieser Lesedom war nicht unwert der Wunder aus Ephesus und Athen, die von den gleichen Mauern umfaßt werden. Mit einer Art Andacht schweift der Blick um den Ringwall von Büchern, die Galerien entlang, auf denen die Figuren der nachschlagenden Leser klein wie Puppen erscheinen. Denn was hier im Saale aufgestellt ist, das sind Nachschlagewerke, Lexika, bloße Wegweiser hinein in die Unerschöpflichkeit der eigentlichen Schatzkammer. Jeder, der hier hereintritt, besitzt eine Bibliothek von vier Millionen Bänden. Er hat nur nötig, einige der Zettel auszufüllen, die auf dem schwarzen Leder bereitliegen, und ein stiller Diener legt, was er begehrt hat, vor ihn auf's Pult.
Hier konnte man Jahre zubringen. Einer, den Zeit300


