zu beschäftigen. Er hatte damit begonnen, sich eine Sammlung deutscher Redewendungen anzulegen, eine Art leichtfaßlicher Stillehre zum Gebrauch seiner Schüler. Aber dies führte ihn tiefer hinein in das geheime Schacht- und Minenwerk der Sprache, die ihm bisher selbstverständlich gewesen war. Es verlockte ihn, ihren Schwingungen nachzuspüren, ihren Subtilitäten und letzten Verschlagenheiten. Immer häufiger kam es vor, daß er den Bleistift sinken ließ und einer lebensvollen Wendung nachhing, in der die Stimme lang vergangener Bauerngeschlechter noch klang oder der Hammerschlag einer Handwerkerzunft oder ein Landsknechtkommando. Genauigkeiten, Konkretheiten, gingen ihm auf, die er achtlos hingenommen hatte. Es war, als werde die Sprache, die flächig gewesen war, für ihn dreidimensional. Er begann sie mit einer neuen Bewußtheit zu lieben. Herrlich müßte es sein, in dieser Sprache zu arbeiten und zugleich an ihr ihr vielleicht einen noch ungekannten Ton zu entlocken. ,, Sie wollen doch, verzeihen Sie das harte Wort, so etwas sein wie ein Schriftsteller," hatte eines versunkenen Tages jemand zu ihm gesagt. Eine erste Möglichkeit hiervon stieg aus dem blauen Leinwandheft zu ihm auf.
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,, Ich habe etwas zu bekennen," sagte Steiger nun schon zum zweiten Mal. Ludwig kehrte aus seinen Träumen zurück. Er lachte.
,, Bekennen? Was haben Sie angestellt? Sicher be
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